Rezession der Eurozone wird bulgarisches Wirtschaftswachstum verzögern
Die erste Rezession in der Historie der Eurozone wird das bulgarische Wirtschaftswachstum zusätzlich verzögern, prognostizieren Makroökonomisten. Am Tag, als die 15 Staaten der Eurozone für das zweite folgende Quartal ein negatives Wachstum meldeten, berechnete Bulgarien einen neuen Rekord des Zahlungsbilanzdefizits – 5,14 Mrd. Euro, oder 15,8% des BIP.
Aufgrund der Rezession in Westeuropa prognostizieren die Analysten auch eine Verzögerung des Tempos, mit welchem der bulgarische Export wächst. Die zwei Haupthandelspartner Bulgariens Italien und Deutschland sind unter den Ländern mit dem seriösesten Wirtschaftsrückgang im dritten Quartal von Minus 0,5%. Laut den Experten befindet sich Deutschland in der schwersten Zeit seit den letzten beinahe 15 Jahren.
Der beunruhigende Effekt des Wirtschaftsrückgangs in der Eurozone wurde vom Premierminister Sergeij Stanischev zugestanden, und Vertreter der regierenden Koalition warnten, dass der Makrorahmen des Haushaltsbudgets 2009 und einige der darin enthaltenen Absichten bei deren Annahme im Parlament Korrekturen erleiden müssen.
Von Januar bis September vergrößerte sich das Loch in der Handelsbilanz mit 1,38 Mrd. Lewa (ca. 0,7 Mrd. Euro) im Vergleich zur gleichen Periode im Vorjahr. „Die neuen Daten geben den Anlass, dass das Deffizit am Ende des Jahres 24% des BIP übersteigt. Die Herausforderung im folgenden Jahr wird die Verzögerung der Inlandsnachfrage sein, welche sich im reduzierten Import widerspiegel wird. Der Export wird von den Problemen in den Partnerländern Bulgariens abhängig sein“, warnte der Makroökonom für neuentstehende Märkte in Europa von der ING Bank. „Das Defizit ist groß und dies verursacht Unruhe, nur reduzierte dieser sich im Vergleich zum selben Monat im Vorjahr (535,5 Mio. Euro im Vergleich zu 541,8 Mio. Euro). Dies ist für mich das erste Zeichen für eine Stabilisierung“, kommentiert allerdings Gyula Toth Analyst der Abteilung für Investitionsbanking „UniCredit Group“ in Österreich.
„Das Wirtschaftswachstum wird sich nur verzögern, wir werden in keine Rezession gehen“, sagte Latschesar Bogdanov von der Forschungsgruppe „IndustryWatch“. Seiner Meinung nach hat das Land immer noch Potential Investionen heranzuziehen und das positive Wirtschaftswachstum zu halten, wenn die Politik auch weiterhin das Geschäftsumfeld begünstigt. Ein ausschlaggebender Faktor für die Senkung des Zahlungsbilanzdefizits im Septmeber war der Rückgang der ausländischen Investitionen.
„Es ist allerdings noch zu früh über eine neue Tendenz zu sprechen, weil in diesem Falle niedrigere Petroleumpreise und andere bestimmte Faktoren Einflüsse haben“. Trotz der Probleme in der Eurozone erwartet Bogdanov nicht, dass es zu einem Rückgang bei den Exporten kommt, was es bisher nur zweimal seit der Wende gegeben hatte, außer wenn „der Staat etaws sehr Dummes anstellt“.
Eine geringere Wirtschaftsaktivität der führenden europäischen Wirtschaften wird den Export von Kapital in die Staaten der Region senken und Bulgarien muss viel seriöser mit den anderen Staaten konkurrieren, meint Georgie Angelov von „Open Society“. Der Erfolg ist letztendlich von der Politik der Regierung abhängig. „Im Moment ist diese vernünftig, aber besorgniserregend sind die Vorhaben der Regierung in diesem Jahr ein großen Teil des Haushaltsüberschuss auszugeben, als auch die seriösen Ausgaben im folgenden Jahr, für welche nicht sicher ist, ob es Geld geben wird“, meinte Angelov. Er kritisierte auch die Pläne hauptsächlich ins Baugewerbe zu investieren.
Quelle: Deutsch-bulgarisches Wirtschaftsblatt


